Nervenaufreibend.

“Boah, so ein Spiel muss ich erstmal sacken lassen. Das war Fußball pur”, sagte ein sichtlich mitgenommener Tobias Kempe nach dem Schlusspfiff. Auch an seinem Nervensystem ging die Partie nicht spurlos vorbei. Trotz der 3:1-Halbzeitführung der Lilien wurde es vor allem in der Schlussphase noch einmal richtig spannend, hektisch und auch hitzig. Dresden war nach der Pause der Anschlusstreffer gelungen. Eine Viertelstunde vor Schluss dezimierten sich die Sachsen nach einem sehr harten Einsteigen von Simon Makienok gegen Marcel Schuhen sowie der folgerichtigen Roten Karte selbst. Zuvor erzielte Dynamo den vermeintlichen Ausgleichstreffer. Doch Schiedsrichter Markus Bacher nahm das Tor zurück - Abseits. Eine Entscheidung, über die man definitiv streiten kann. Regeltechnisch vertretbar, doch durchaus glücklich aus Sicht des SV 98. Das Glück des Tüchtigen?

Die Lilien warfen auf jeden Fall alles hinein, kämpften unerbittlich für den langersehnten Auswärtssieg. “Es war ein echter Fight”, befand Dimitrios Grammozis. Auch dem Lilien-Coach blieb vermutlich in der vierten Minute der Nachspielzeit das Herz kurz stehen. Was war passiert? Jannis Nikolaou lief alleine auf den Kasten der Darmstädter zu. Doch mit einer sensationellen Parade sicherte Marcel Schuhen den Lilien drei Punkte. Ganz schön nervenaufreibend so ein Freitagabend, wenn der SV Darmstadt 98 spielt. “Es war ein Wahnsinnsspiel”, bekräftige Kempe.

"Genau das gespielt, was wir spielen wollten"

Ein Wahnsinnsspiel, ja. Aber vor allem auch eine wahnsinnig gute erste Halbzeit des SV 98. Bereits nach vier Minuten ging Dynamo Dresden in Führung. “Doch trotz des Rückstands haben wir weitergespielt, als ob es uns scheißegal wäre”, erklärte Torhüter Schuhen mit deutlichen Worten. Seung-ho Paik und Tobias Kempe ballerten die Südhessen in Front. Spiel gedreht, binnen vier Minuten. “Wir haben in der ersten Halbzeit genau das gespielt, was wir spielen wollten”, lobte Kapitän Fabian Holland. Der SV Darmstadt 98 übernahm das Kommando, ließ sich vom Rückstand und der Kulisse überhaupt nicht aus dem Konzept bringen. Denn nicht nur kämpferisch, sondern auch spielerisch zeigten die Lilien, zu was sie im Stande sind. Schnelles Kombinationsspiel, das Erarbeiten zahlreicher Torchance und die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Die Belohnung folgte kurz vor der Pause durch den Treffer von Serdar Dursun zum 3:1 nach perfekter Vorlage durch Mathias Honsak.

Und das vegetative Nervensystem? Es sorgte für Glücksgefühle, vor allem nach dem Schlusspfiff. Endlich, endlich wieder ein Sieg. Nach Wiesbaden, Stuttgart, Hamburg, Kiel und Osnabrück konnten der SV 98 endlich wieder dreifach punkten. Ja, auch die Serie von fünf Remis in Folge ging allen Lilien auf die Nerven. “Der Sieg ist extrem wichtig, aber auch nur ein Schritt nach vorne. Trotzdem tun die drei Punkte natürlich richtig gut”, freute sich Holland, dessen Mannschaft an diesem Wochenende keiner mehr den elften Tabellenplatz wegnehmen kann. Ungeschlagen und mit fünf Punkten sind die Lilien erfolgreich ins neue Jahr gestartet.

“Wir sind ein eingeschworener Haufen. Wir funktionieren nur als Gemeinschaft. Deshalb war der Sieg in Dresden ein Sieg der Gemeinschaft”, betonte Schuhen. Eine Gemeinschaft, die sich nach intensiven anderthalb Wochen sowie dem nervenaufreibenden 3:2-Erfolg gegen Dynamo ein freies Wochenende verdient hat, bevor es nach einer lange Woche im Heimspiel gegen den SV Sandhausen (16.2./13.30 Uhr) erneut um wichtige Punkte geht. Doch bis dahin heißt es erst einmal Regeneration. Und auch das Nervensystem einer jeden Lilie darf sich zwei Tage lang ausruhen.

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Sonntag, 29. März 2020, 08:16 Uhr

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