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Professor Andrew Stuchbery ist Leiter der Kernphysik-Abteilung an der Australian National University.

FAIR goes Down Under

Nun engagieren sich alle Kontinente beim Darmstädter Forschungsprogramm

Das weltweite Netz rund um Facility for Antiproton and Ion Research (FAIR) wird weiter geknüpft: Mit Australien sind nun alle Kontinente beim Forschungsprogramm am künftigen Beschleunigerzentrum FAIR mit an Bord. Wissenschaftler der Australian National University (ANU) in Canberra werden sich in einer neuen internationalen Zusammenarbeit bei NUSTAR, einem der vier zentralen Experimentprogramme an FAIR, federführend beteiligen.

Das Engagement ist der erste australische Beitrag zur FAIR-Forschung und zeigt die globale Anziehungskraft des wissenschaftlichen Programms für eine weltweite Gemeinschaft von Forschern. NUSTAR ist schon jetzt die weltweit größte Forschungskollaboration auf dem Gebiet der Kernphysik, mit Australien sind 39 Länder beteiligt, die rund 850 Mitglieder sind in mehr als 180 Instituten rund um den Globus tätig. Außer der Antarktis sind dabei alle Erdteile vertreten.

 „FAIR wird künftig ein Magnet für rund 3000 Gastforscher werden und ist bereits heute ein gefragter Partner in internationalen Kooperationen, wie das ANU-Engagement zeigt. Die australische Gruppe wird im FAIR-Beschleunigerzentrum einmalige Forschungsmöglichkeiten nutzen können, bringt aber auch einzigartige Expertise mit ein und verstärkt das Entdeckungspotenzial des NUSTAR-Projekts“, betont Karlheinz Langanke, der Wissenschaftliche Geschäftsführer des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt, wo derzeit das FAIR-Beschleunigerzentrum entsteht.

 Das NUSTAR-Programm zielt darauf ab, ein Stück Weltraum ins Labor zu holen und die Geheimnisse der Entstehung der Elemente in gewaltigen Sternenexplosionen, den Geburtsstätten der Elemente, zu enthüllen. Die NUSTAR-Forscher wollen beispielsweise herausfinden, welche Eigenschaften seltene und höchst instabile Atomkerne mit sehr vielen Neutronen haben – Atomkerne, wie sie in Supernovae entstehen.

 Hinter NUSTAR steht ein sehr breites Forschungsprogramm: Mehr als 60 einzelne Arbeitspakete sind geplant, mit dem Engagement der Australier ist der NUSTAR-Schwerpunkt komplettiert. Ein  wichtiger Schritt für die gesamte FAIR-Forschungsplanung. Als nächstes wird das Team um Professor Andrew Stuchbery, Leiter der Kernphysik-Abteilung an der Australian National University, aufgebaut, Forschungsziele sowie die dafür notwendige Instrumentierung werden genau definiert. Andrew Stuchbery freut sich bereits auf die künftigen Möglichkeiten in Darmstadt: „FAIR wird eine der attraktivsten Forschungsstätten weltweit. Es wird für uns sehr spannend, dort zu experimentieren. Schon jetzt können wir mit den Vorbereitungen beginnen, um künftig mit g-Faktor-Messungen detaillierten Aufschluss über Aufbau und Eigenschaften von exotischen Kernen zu erhalten.“

 „Wir freuen uns, dass sich unsere australischen Kollegen bei FAIR beteiligen. Sie können mit ihrer Expertise wesentlich zum Experimentierprogramm von NUSTAR beitragen. Es unterstreicht außerdem die weltumspannende Bedeutung des NUSTAR Forschungsprogramms bei FAIR“, sagt Björn Jonson von der Technischen Universität Chalmers in Göteborg, Sprecher der internationalen NUSTAR-Kollaboration und ehemaliger Vorsitzender des Nobelpreiskomitees. Auch Jürgen Gerl, Koordinator des NUSTAR-Projekts bei GSI, zeigt sich sehr erfreut über die neue Zusammenarbeit: „Die einzelnen Experimente ergänzen sich gegenseitig, damit wir aus allen Blickwinkeln die Struktur und die Kräfte, die Atomkerne zusammenhalten, studieren können. Wir sind sehr glücklich, die australischen Kollegen im Boot zu haben.“

FAIR wird eine der größten und komplexesten Beschleunigeranlagen weltweit. Die bestehende GSI-Beschleunigeranlage wird Teil von FAIR und dient als erste Beschleunigungsstufe. Ingenieure und Wissenschaftler werden dafür in internationaler Zusammenarbeit technologische Neuentwicklungen in vielen Bereichen vorantreiben, zum Beispiel in der Informationstechnologie oder in der Supraleitungstechnik. Rund 3000 Wissenschaftler aus aller Welt werden an FAIR Spitzenforschung betreiben. In einzigartigen Experimenten werden sie grundlegend neue Erkenntnisse über den Aufbau der Materie und die Entwicklung des Universums gewinnen.

Samstag, 21. Oktober 2017, 08:33 Uhr